Die Gründung einer eigenen Kosmetikmarke ist ein aufregendes Unterfangen, das jedoch auch viele Fragen aufwirft besonders, wenn es um die eigentliche Herstellung geht. Viele Gründer, Unternehmer oder auch Influencer träumen davon, eigene Produkte auf den Markt zu bringen, sind aber unsicher, wie sie diesen Prozess am besten angehen. Dieser umfassende Leitfaden nimmt Sie an die Hand und erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Kosmetik professionell herstellen lassen können, von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt im Regal.
Eigene Kosmetikmarke starten So lassen Sie Produkte professionell herstellen
- Private Label als Einstieg: Nutzen Sie bestehende, geprüfte Formulierungen von Herstellern, um schnell und kostengünstig eigene Produkte mit Ihrem Branding zu lancieren.
- Mindestbestellmengen (MOQs) meistern: Finden Sie Hersteller, die auch für Start-ups produzieren, oft schon ab 100-500 Stück, um hohe Anfangsinvestitionen zu vermeiden.
- Schrittweiser Produktionsprozess: Vom detaillierten Briefing über Musterentwicklung und Verpackungsdesign bis hin zur finalen Abfüllung wir führen Sie durch alle Phasen.
- Rechtliche Sicherheit: Verstehen Sie die EU-Kosmetikverordnung und die Bedeutung von GMP, Sicherheitsbewertungen und korrekter Kennzeichnung, um auf der sicheren Seite zu sein.
Was bedeutet "Kosmetik herstellen lassen" eigentlich? Private Label vs. individuelle Entwicklung
Wenn wir von "Kosmetik herstellen lassen" sprechen, meinen wir in Deutschland meist die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller. Hier gibt es verschiedene Modelle, die sich für Gründer eignen. Das gängigste und zugänglichste ist das Private Label. Dabei wählen Sie aus einem bestehenden Portfolio des Herstellers aus, das bereits geprüft und sicher ist. Sie passen dann Ihr Branding, also das Design von Verpackung und Etikett, an Ihre Marke an. Eine eng verwandte Variante ist White Label, die oft noch weniger Anpassungsmöglichkeiten bietet. Für ganz individuelle Rezepturen, die es so noch nicht gibt, sprechen wir von Auftragsentwicklung. Das ist zwar spannend, aber auch deutlich kosten- und zeitintensiver und eher etwas für etabliertere Marken oder solche mit einem sehr spezifischen Alleinstellungsmerkmal.
Die größten Chancen für neue Marken auf dem deutschen Kosmetikmarkt
Früher schien der Sprung in die Selbstständigkeit mit einer eigenen Kosmetikmarke oft unerreichbar, verbunden mit enormen Investitionen in eigene Produktionsstätten oder riesige Abnahmemengen. Heute hat sich das stark gewandelt. Dank des Private-Label-Modells und der Tatsache, dass es immer mehr spezialisierte Hersteller gibt, die auch für kleinere Start-ups produzieren, ist der Markteintritt deutlich zugänglicher geworden. Sie können mit überschaubaren Mengen starten und sich so Schritt für Schritt auf dem Markt etablieren.

Der erste Schritt zum eigenen Produkt: Strategie und Partnerwahl
Von der Vision zur Nische: Wie Sie Ihr perfektes Produktkonzept definieren
Bevor Sie überhaupt an die Herstellung denken, ist die klare Definition Ihrer Marke und Ihrer Produkte entscheidend. Wer ist Ihre Zielgruppe? Welche Markenidentität möchten Sie verkörpern? Soll Ihre Kosmetik im Bereich Naturkosmetik, vegane Pflege, medizinische Hautpflege oder vielleicht für ein ganz spezifisches Hautbedürfnis angesiedelt sein? Je klarer Ihre Vision und je schärfer Ihre Nische definiert ist, desto einfacher wird es, den passenden Hersteller zu finden und Produkte zu entwickeln, die Ihre Kunden lieben werden.
Den idealen Lohnhersteller in Deutschland finden: Worauf Sie achten müssen
- Passung zur Nische: Bietet der Hersteller Produkte oder Formulierungen an, die zu Ihrer Markenidentität passen? (z.B. Expertise in Naturkosmetik, wenn Sie diesen Weg gehen wollen.)
- Mindestbestellmengen (MOQs): Sind die geforderten Mengen realistisch für Ihren geplanten Markteintritt?
- Zertifizierungen: Verfügt der Hersteller über relevante Zertifikate wie GMP (ISO 22716) oder Bio-Zertifikate, falls gewünscht?
- Transparenz und Kommunikation: Wie gut ist die Erreichbarkeit und wie transparent kommuniziert der Hersteller über Prozesse und Kosten?
- Erfahrungen mit Start-ups: Hat der Hersteller Erfahrung in der Zusammenarbeit mit jungen Marken und versteht er deren Bedürfnisse?
Kleine Mengen, großer Traum: Hersteller finden, die auch für Start-ups produzieren
Einer der größten Stolpersteine für viele Gründer sind die oft hohen Mindestbestellmengen (MOQs), die von großen Produktionsbetrieben verlangt werden. Doch keine Sorge: Es gibt in Deutschland durchaus spezialisierte Lohnhersteller, die auch kleinere Chargen produzieren. Oft starten diese bereits ab 100, 250 oder 500 Stück pro Produkt. Das ist essenziell für den Markteintritt, denn so können Sie Ihr Risiko minimieren, erste Erfahrungen sammeln und Ihre Produkte testen, ohne gleich riesige Lagerbestände aufbauen zu müssen.

Der Weg zum fertigen Tiegel: Der Produktionsprozess Schritt für Schritt
Schritt 1: Das Briefing Wie Sie Ihre Produktidee präzise kommunizieren
- Produktdefinition: Legen Sie klar fest, welche Art von Produkt Sie möchten (Creme, Serum, Lotion etc.), welche Hauptwirkstoffe es enthalten soll und welche Eigenschaften (Duft, Farbe, Textur) es haben soll.
- Zielgruppe und Anwendungsbereich: Beschreiben Sie, für wen das Produkt gedacht ist und wie es angewendet werden soll.
- Verpackungswünsche: Geben Sie erste Vorstellungen zur gewünschten Verpackungsart (Tiegel, Flasche, Airless-Spender etc.) und Größe an.
- Rechtliche Vorgaben: Informieren Sie sich über spezifische Anforderungen Ihrer Nische (z.B. vegan, tierversuchsfrei, Naturkosmetik-Standards), die der Hersteller erfüllen muss.
- Budget und MOQ: Kommunizieren Sie Ihr ungefähres Budget und die angestrebte Mindestbestellmenge.
Schritt 2: Musterauswahl und Testing So finden Sie die perfekte Formulierung
- Auswahl von Referenzmustern: Bei Private-Label-Produkten präsentiert Ihnen der Hersteller eine Auswahl an bestehenden Formulierungen, die Ihren Vorgaben ähneln.
- Anforderung und Prüfung: Sie erhalten Muster zur Ansicht und zum Testen. Achten Sie auf Textur, Duft, Hautgefühl und die Verträglichkeit.
- Feedback und Anpassung: Geben Sie detailliertes Feedback. Kleinere Anpassungen wie Duft, Farbe oder die Intensität bestimmter Wirkstoffe sind oft möglich.
- Finale Freigabe: Erst wenn Sie mit einem Muster vollkommen zufrieden sind, geben Sie dieses für die Produktion frei.
Schritt 3: Das Design Mehr als nur ein Logo: Verpackung, die verkauft
- Konzeptentwicklung: Entwerfen Sie das Aussehen Ihrer Verpackung vom Tiegel oder der Flasche über das Etikett bis hin zur Faltschachtel.
- Design-Umsetzung: Beauftragen Sie ggf. einen Grafikdesigner, um professionelle Druckdaten zu erstellen.
- Rechtliche Kennzeichnung: Integrieren Sie alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationen (siehe Abschnitt "Rechtliche Hürden meistern") korrekt auf Ihrer Verpackung.
- Mustererstellung und Freigabe: Lassen Sie sich Muster der fertigen Verpackungsmaterialien zeigen und geben Sie diese frei.
- Beschaffung: Der Hersteller kümmert sich oft um die Beschaffung der Verpackungsmaterialien, oder Sie übernehmen dies selbst.
Schritt 4: Die Produktion Vom Rohstoff-Mix bis zur Abfüllung
- Rohstoffbeschaffung: Der Hersteller beschafft alle notwendigen Rohstoffe gemäß der freigegebenen Formulierung.
- Mischung und Herstellung: Die Rohstoffe werden unter kontrollierten Bedingungen (GMP) zu Ihrer finalen Produktformulierung gemischt.
- Qualitätskontrolle: Während und nach der Produktion erfolgen Qualitätskontrollen, um sicherzustellen, dass das Produkt den Spezifikationen entspricht.
- Abfüllung: Das fertige Produkt wird in die freigegebenen Verpackungen abgefüllt.
- Konfektionierung: Die abgefüllten Produkte werden etikettiert und ggf. in Faltschachteln verpackt.
- Endkontrolle: Eine letzte Kontrolle stellt sicher, dass alle Produkte korrekt verpackt und gekennzeichnet sind.

Keine Kompromisse bei der Sicherheit: Rechtliche Hürden meistern
Die EU-Kosmetikverordnung: Was Sie als Markeninhaber wissen müssen
Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 ist das A und O, wenn Sie Kosmetik in Europa verkaufen möchten. Sie regelt alles Wichtige rund um die Sicherheit, die Herstellung, die Kennzeichnung und die Vermarktung von Kosmetikprodukten. Als Markeninhaber sind Sie in der Regel die "Verantwortliche Person". Das bedeutet, Sie tragen die ultimative Verantwortung dafür, dass Ihr Produkt den Vorschriften entspricht. Das ist kein kleines Detail, sondern eine zentrale Verpflichtung.
Die Einhaltung der EU-Kosmetikverordnung ist nicht verhandelbar. Sie schützt nicht nur die Verbraucher, sondern auch Ihre Marke vor rechtlichen Konsequenzen und Reputationsschäden.
GMP (Gute Herstellungspraxis): Warum dieses Zertifikat für Ihren Hersteller unerlässlich ist
GMP steht für Gute Herstellungspraxis (nachzulesen in der Norm ISO 22716). Dieses Zertifikat ist ein Gütesiegel für Produktionsbetriebe, das sicherstellt, dass Kosmetika unter kontrollierten und hygienischen Bedingungen hergestellt werden. Seriöse Lohnhersteller in Deutschland verfügen über diese Zertifizierung. Sie ist ein klares Indiz dafür, dass Qualität und Sicherheit bei der Herstellung großgeschrieben werden und ist für den Verkauf in der EU unerlässlich.
Sicherheitsbewertung und CPNP-Meldung: Die Pflichtübungen vor dem Verkaufsstart
Bevor ein Kosmetikprodukt überhaupt auf den Markt darf, muss es eine Sicherheitsbewertung durch einen qualifizierten Gutachter durchlaufen. Diese Bewertung ist ein zentraler Bestandteil des Produktdossiers (PID), das für jedes Produkt erstellt und für Behörden zur Einsicht bereitgehalten werden muss. Direkt im Anschluss an die Sicherheitsbewertung muss das Produkt im CPNP (Cosmetic Products Notification Portal) der EU gemeldet werden. Beides sind zwingende Schritte, die vor dem ersten Verkauf erledigt sein müssen.
Das Kleingedruckte, das zählt: Korrekte Kennzeichnung von Inhaltsstoffen (INCI), Haltbarkeit und Co.
- Inhaltsstoffangabe (INCI): Eine vollständige Liste aller Inhaltsstoffe nach internationaler Nomenklatur (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients).
- Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder Verwendungsdauer nach dem Öffnen: Das bekannte Tiegelsymbol mit einer Angabe wie "12M" (12 Monate haltbar nach dem Öffnen).
- Füllmenge: Angabe des Nettogewichts oder -volumens.
- Chargennummer: Eine eindeutige Nummer zur Rückverfolgbarkeit jeder Produktionscharge.
- Kontaktdaten der verantwortlichen Person: Name und Adresse des Markeninhabers (also Ihr Unternehmen).
- Besondere Warnhinweise: Falls erforderlich (z. B. bei Produkten für Kinder).
- Laufende Aktualisierungen: Beachten Sie, dass die Verordnung ständig aktualisiert wird. Neue Stoffverbote (z. B. für bestimmte CMR-Stoffe) oder Beschränkungen können Ihre Formulierungen betreffen. Bleiben Sie hier am Ball!
Was kostet der Traum? Realistische Budgetplanung für Ihre Kosmetikmarke
Kosten im Überblick: Von der Rezeptur über die Produktion bis zur Verpackung
- Entwicklungskosten: Bei individuellen Rezepturen können diese schnell mehrere tausend Euro betragen. Bei Private-Label-Produkten fallen sie oft weg oder sind nur gering.
- Produktionskosten pro Stück: Diese variieren stark je nach Komplexität der Formulierung, der Art der Verpackung und der Abnahmemenge. Rechnen Sie hier mit Kosten von unter 1 € bis über 10 € pro Einheit.
- Zusätzliche Kosten: Unterschätzen Sie nicht die Ausgaben für Verpackungsdesign, die obligatorische Sicherheitsbewertung, die CPNP-Anmeldung, die Beschaffung von EAN-Codes für den Handel, Marketingaktivitäten und die Lagerung Ihrer Produkte.
Der Faktor Mindestbestellmenge (MOQ): Wie sie Ihre Startkosten beeinflusst
Die Mindestbestellmenge (MOQ) ist einer der kritischsten Faktoren, der Ihre Startkosten maßgeblich beeinflusst. Große Hersteller verlangen oft MOQs von 3.000 bis 5.000 Stück pro Produkt, was für ein Start-up eine enorme finanzielle Hürde darstellen kann. Wenn Sie einen Hersteller finden, der auch kleinere Mengen ab 100, 250 oder 500 Stück anbietet, können Sie Ihre Anfangsinvestitionen deutlich reduzieren. Dies ermöglicht Ihnen einen flexibleren Markteintritt und minimiert das Risiko von Ladenhütern.
Versteckte Kostenfallen: Welche Ausgaben Gründer oft übersehen
- Marketing und Vertrieb: Die Kosten für Werbung, Social Media, Influencer-Kooperationen oder den Aufbau eines Online-Shops sind oft höher als erwartet.
- Lagerung und Logistik: Wo lagern Sie Ihre Produkte? Wie werden sie an Kunden oder Händler versendet? Diese Kosten müssen einkalkuliert werden.
- Unvorhergesehene Rezepturanpassungen: Manchmal sind kleine Änderungen an der Formulierung nötig, die zusätzliche Kosten verursachen können.
- Zertifizierungskosten: Wenn Sie spezielle Zertifikate (z.B. Bio, Vegan) anstreben, fallen dafür zusätzliche Gebühren an.
- Design-Änderungen: Häufige Änderungen am Verpackungsdesign können schnell ins Geld gehen.
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Nach der Produktion: Ihre neue Kosmetikmarke erfolgreich vermarkten
Lagerung und Logistik: Die ersten Schritte nach der Auslieferung
Sobald Ihre Produkte frisch aus der Produktion kommen, beginnt die nächste wichtige Phase: die Lagerung und Logistik. Sie müssen sicherstellen, dass Ihre Produkte unter geeigneten Bedingungen gelagert werden, um ihre Qualität zu erhalten. Planen Sie auch, wie die Produkte zu Ihren Kunden oder Ihren Vertriebspartnern gelangen. Ob Sie ein externes Logistikunternehmen beauftragen oder die Lagerung und den Versand selbst übernehmen eine klare Strategie ist hier unerlässlich.
Marketing und Vertrieb: So machen Sie Ihr Produkt bekannt und begehrenswert
Die beste Kosmetik nützt nichts, wenn niemand davon erfährt. Dieser Abschnitt soll die entscheidende Bedeutung von gezieltem Marketing und effektivem Vertrieb hervorheben. Ohne eine durchdachte Strategie, wie Sie Ihre Zielgruppe erreichen, Ihre Marke positionieren und Ihre Produkte verkaufen, wird auch die professionellste Herstellung nicht zum Erfolg führen. Denken Sie an Online-Marketing, Social Media, PR und den Aufbau von Vertriebskanälen, um Ihre Marke bekannt zu machen und Ihre Produkte begehrenswert zu gestalten.






